Der Berliner an sich feiert ja gerne feucht-fröhlich, und auf den Mund gefallen ist er auch nicht. Als 1976 bei der Eröffnung des Steglitzer Schloss-Turms das Freibier floss, war darum schnell ein Spitzname für das rote Bauwerk mit Panorama-Restaurant gefunden – der “Bierpinsel” war geboren.
Heute ist der markante Turm an der Joachim-Tiburtius-Brücke vom gesellschaftlichen Horizont der Berliner weitestgehend verschwunden. Der Steglitzer hat gelernt mit dem Pinsel zu leben. Der Rest nimmt das Stein gewordene Denkmal für Seventies-Baukunst nur im Vorbeifliegen war, wenn man sich auf dem Weg vom Berliner Ring in die Innenstadt verfahren hat.
Mit einer gezielten Attacke Street-Art will die Initiative “Turmkunst 2010” den Berlinern ihren Bierpinsel wieder näher bringen. Auf über 40 Metern Höhe über den Dächern der Schloßstraße werden ab April vier der bekanntesten Graffiti-Künstler weltweit (Honet, Flying Förtress, KR Costello & Soyzone) den Turm in ein Open-Air-Kunstwerk hoch in der Luft verwandeln.
Am 1. April erfolgt der erste Pinselstrich, anderthalb Monate später wird der neugestaltete Bierpinsel dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Jahr lang soll die Graffiti-Schicht den Turm schmücken, dann wird der Bierpinsel wieder im traditionellen Rot erscheinen.
Geplant wird die Aktion von der Geschäftsführung des Turms, die Hamburger Vicious Galerie kuratiert die Neugestaltung, der Szenefotografen JUST dokumentiert das Ganze, und veröffentlicht im Anschluss seine Arbeit als Bildband. Geplant und gebaut wurde der Turm übrigens vom Architekten-Duo Schüler und Schüler-Witte, die auch das futuristische ICC in Charlottenburg ganz im Sinne der Pop-Architektur entwarfen. Bei diesen Referenzen sollte einem Erfolg nichts im Weg stehen – vor allem wenn es wie 1976 wieder Freibier geben sollte.
Website “Turmkunst 2010”













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