
Was passiert, wenn zwei eindeutig heterosexuelle Männer den Entschluss fassen, zusammen einen schwulen Amateur-Porno zu drehen, mit ihnen selbst als Hauptdarsteller? Und jetzt bitte nicht sofort woanders weiterlesen, denn bei Humpday geht es gar nicht um schwule Pornofilme, sondern um beste Freunde, Beziehungen und ob wir wirklich so frei sind, wie wir vorgeben.
Nach Jahren sehen sich die High-School Freunde Ben (Mark Duplass) and Andrew (Joshua Leonard) wieder. Andrew hat mittlerweile geheiratet und lebt mit seiner Frau Anna (Alycia Delmore) in einem Vorort von Seattle, Ben hat bis eben noch in einer Künstler-Kommune in Mexiko seine Selbstverwirklichung verfolgt.
Für den Lebemann Ben braucht es nur einen Nachmittag, um eine WG mit leichtlebigen Bewohnern aufzutun, die seinen Vorstellungen von einer guten Zeit entgegenkommen. Im Dionysus-Haus wird sexuelle Freizügigkeit gelebt und über alle Grenzen hinweg geliebt.
Dort erfahren Ben und Andrew vom „Humpfest”, einem Filmfestival für Amateurpornos, bei dem der beste eingereichte Streifen einen Award bekommt (das übrigens tatsächlich existiert). In einer Alkohol- und Drogendurchtränkten Entscheidung verpflichten sich die beiden, den Film mit eingebauter Gewinngarantie zu drehen: Zwei heterosexuelle beste Freunde haben Sex vor der Kamera.
Wie es dann weitergeht, macht die Stärke dieser Komödie aus: Weder Ben und Andrew wollen im wahrsten Sinne des Wortes ihren Schwanz einziehen, und ihr Projekt wird zu einem Wettbewerb. Tun wir es, oder tun wir es nicht? Letzlich stellt der Tanz der beiden um den ersten nicht-schwulen Schwulenporno ihre Beziehung zueinander, wie auch ihre Selbstentwürfe in Frage. Weder ist Ben der freigeistige und freizügige Bohemien, der als lebender Gegensatz zur Mainstream-Gesellschaft sein Dasein auskostet, noch gelingt es Andrew, den Spagat zwischen seinen hippen College-Jahren und seiner Vorstadt-Existenz zu meistern.
Auch Anna muss sich überlegen, was sie will. Sie ist verständnisvoll und möchte nicht der Grund für das Ende der Bindung zwischen ihrem Ehemann und Ben sein, kann aber Andrews fortlaufender Selbstverstellung nicht unbeteiligt zusehen. Will sie mit diesem Poseur wirklich ein Kind?
Trotz der ausgefallenen Ausgangslage wirkt Humpday aber nicht konstruiert, sondern kommt natürlich und authentisch daher. Schon die Eingangssequenz ist urkomisch – Andrew und Anna stellen im Bett fest, das sie beide viel zu müde für Sex sind – und dass ohne jede humoristische Überspitzung. Auch die Hauptfiguren und ihre Beziehungen sind glaubhaft: Da ist eindeutig etwas zwischen Ben und Andrew, wenn sie beim Basketball um den Ball balgen. Ob daraus mehr wird, kann man aber erst dann herausfinden, wenn Humpday nach Deutschland kommt, ein Veröffentlichungstermin ist noch unbekannt. Auf dem Zürich Film Festival war das Publikum begeistert, vielleicht überzeigt das ja einen Verleiher, Humpday in sein Programm aufzunehmen.












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