In einer Zeit der ständigen Virtualisierung, in der unser Leben in der “Augmented Humanity” immer mehr einer digitalen Blase ähnelt, ertappt man sich häufig dabei, genau diese platzen lassen zu wollen. Zuweit entfernt ist das Tippen auf der Tastatur vom tatsächlichen Resultat, das am Ende des Arbeitstages doch wieder nur unberührbar im Cyberspace landet – Sehnsucht nach simplen, haptischen Tätigkeiten stellt sich ein.
Zeitweise Entdigitalisierung als Gegenentwurf verspricht das junge Berliner Albinoplast-Kollektiv. Um sich der Realität hingeben zu können, hat die Gruppe eine Tonne weißer Bausteine für alle Laptop-Arbeiter fertigen lassen. Ihr Kerngedanke steckt dabei schon in der Beantwortung der Frage: Was macht man damit?
Alles kann, nichts muss gebaut werden
Zwischen einem Hasenkopf, einer Miniatur-Version der Chinesischen Mauer und den Füßen eines Roboters, der vermutlich nie fertig wird, erklärt Paula im Hinterhof des Berliner Betahauses die Grundzüge der Idee: Ursprünglich wollten die drei Kunst-Unternehmer ihre Tonne weißer Bausteine im Mauerpark in Berlin auskippen und abwarten, was das Publikum daraus bastelt.
Bevor es zum Baustein-Happening kommen konnte, entschloss sich die Gruppe aber, das Konzept erstmal in einem festeren Rahmen zu testen. Also richteten sie unter anderem beim Design-Festival DMY und der Mode-Messe Bread&Butter ”Plastic Playgrounds” ein und warteten ab.
Anscheinend steckt in den meisten von uns ein größeres Kind, als wir uns manchmal eingestehen wollen, denn die Spielplätze erwiesen sich voller Erfolg – beim DMY mussten zum Schluss die Security-Beamten allzu verbissene Plastik-Architekten von ihren Bauwerken lösen. Das ist der große Vorteil der kleinen Steine: Sie lassen kaum jemanden kalt, und ehe man sich versieht, steckt man schon Einzelteile zusammen.
Wer steckt wie?
Eine Erfahrung aus diesen Einsätzen ist für Paula, dass die direkte, analoge Zusammenarbeit mit Bausteinen sehr schnell sehr viel auf den Tisch bringt. Denn wenn man seine Kollegen fast nur noch digital erlebt, bringt es manchmal am meisten, sich zusammen an einen Tisch zu setzen und mit Bausteinen zu spielen.
Was und wie man das macht, sagt viel über einen aus. So kann man ganz nebenbei mit ansehen, wie Ideen Fassung annehmen und sich Rollenbilder im Team herauskristallisieren. Spielerischer lässt sich eine Team-Identität nicht zusammenzusetzen, da reicht selbst die beste Projekt-Management-Software nicht ran.
Und wenn sich das nur mit weißen Bausteinen erreichen lässt, haben Paula, Angela und Clemens, die drei Mittzwanziger hinter dem Projekt, ihre Vision schon fast erreicht. Damit möglichst viele Menschen ins weiße Lego-Land finden, bieten die Albinoplastiker ihre Steine auch zum Kauf an: als kreatives Spielzeug für Erwachsene zum gemeinsamen Basteln beim “Play Date“. Und wenn genug davon verkauft sind, gibt es da ja immer noch den Plan mit dem Mauerpark.
Mehr Fotos mit epochalen Bauwerken sind auf der Albinoplast-Seite zu finden.











Back to Top