Manchmal gibt es diese Momente im Netz: Ein neuer Service schwappt über in den Mainstream, plötzlich hält das Netz still, und alle probieren aus, was da als neueste Idee über das Netz hereinbricht. Der Service-du-jour heißt Chat Roulette.
Auf der simpel aufgebauten Seite lässt man sich per Webcam mit einem wahllosen Fremden zum Chatten verbinden. Gefällt einem der Partner nicht, kann man jederzeit den Next-Button drücken. Oder man wird selbst „genextet“, wie das im Slang der Nutzer heißt. Die Aufeinandertreffen sind ungefiltert, unmittelbar und lassen kaum Platz für elegant ausgefeilte Selbstdarstellung.
Man bekommt, was man sieht. Der Großteil der Nutzer sind gelangweilte Teenager, es gibt aber auch Comic-Nerds, Haustiere, Gitarrenbands, Männer in Frauenunterwäsche, Männer in Katzenkostümen, Männer ohne einen Fetzen Stoff am Leib – der Faktor an Perversen ist dem ungezügelten Angebot entsprechend hoch.

Trotzdem verströmt die Idee eine eigentümliche Anziehungskraft, die einen zurückbeamt in die Anfangstage des Netzes. Die direkte Kommunikation mit Wildfremden erinnert an erste zaghafte Erfahrungen in Newsgroups und Chat-Rooms. Die üblichen Trolle sind schon auf den Zug aufgesprungen und treiben ihren Schabernack mit arglosen Nutzern (NSFW).
Noch ist nicht klar: Ist das nur eine nostalgische Form der digitalen Entblössung, oder vielleicht doch ein zukunftsweisendes Werkzeug, mit dem wir spielerisch die Hürden zu unseren Mitmenschen abbauen können? Chat Roulette hat gnadenlose Spielregeln, da sind sich alle sicher. Eine nette Einführung liefert folgendes Video von Casey Neistat:
Es wird also genextet, was das Zeug hält. Aber was passiert, wenn dann doch beide Parteien innehalten, weil der Funken überspringt? Das bleibt jedem selbst überlassen. Wer Webcam und Abenteuerlust besitzt, kann Chat Roulette hier ausprobieren.














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