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200.000 Berliner können sich auf eine Überraschung freuen: Ende des Jahres soll bei ihnen das Internet im Briefkasten liegen. Denn dann erscheint Feed, ein kostenloses Print-Magazin mit Texten aus dem Netz, das als Postwurfsendung verteilt wird.

Die Redaktion des Internet-Magazins wird lesenswerte Blog-Texte aufstöbern, auswählen und die Autoren zum Abdruck überreden. Die Leser sind ganz partizipativ zum Mitmachen aufgefordert. Jeder kann eigene Artikel einsenden, bei Abdruck lockt ein Honorar. Einen Magazin-Dummy gibt es auch schon.

Eine Frage zwängt sich natürlich auf: Wer braucht Blog-Artikel gedruckt auf Papier? Das Team hinter Feed antwortet darauf mit Community-Rhetorik. Den Bloggern, die ja sonst damit beschäftigt sind das Internet vollzuschreiben, werde ein Forum geboten, “um auf sich aufmerksam zu machen.” Und für die Leser will man “ein Wegweiser zu attraktiven Inhalten im World Wide Web” sein.

Wo geht’s lang im Web2.0?

Das riecht leicht nach klassischer  Old-Media-Denke: Erst das gedruckte Wort macht den Amateur zum Profi; erst die Auswahl durch eine Redaktion verleiht dem Wort der Blogger Autorität. Aber gut, man will ja erklärtermaßen die Perlen aus dem Internet einer Print-affinen Zielleserschaft erschliessen.

Leider gibt das die Nullnummer von Feed noch nicht her. PR-Inhalte überwiegen. Direkt neben einem schnmeichelhaften Bericht über das Start-Up “My Parfuem” hat eben jene Firma eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Das ist natürlich legitim für ein Postwurf-Magazin, warum aber private Blogger zwischen diesen Werbebotschaften ihre Texte platzieren sollten, wird nicht klar.

Dazu kommt: Ein inhaltliches Konzept ist nur verschwommen auszumachen. Die Texte sind zwar nach Kategorien sortiert, wirken in der Auswahl aber doch arg beliebig. Die Übernahmen aus Blogs leiden zum Teil unter ihrer Herkunft. Geschrieben wurden sie für für ein Blog-Publikum, dem Geschwindigkeit wichtiger ist, als journalistische Schreibe. In einem Magazin wirkt dieser Ansatz leicht deplatziert.

Post von der Blogosphäre

Es gibt aber auch Positives zu berichten. Einer der Blogger, die schon in der Test-Ausgabe vertreten sind, ist Philip Steffan. Seine locker geschriebene, nie zu abgehobene Einführung in die Welt der Do-It-Yourself-Bastler macht Spaß zu Lesen und passt gut in den Kontext. Solche Kollaborationen könnten Feed zum angepeilten “Wegweiser”-Status verhelfen, auch wenn auch Steffans Text vor allem den eigenen Blog promoten soll.

Sollte das Magazin eine klarere Linie für den Umgang mit PR-Texten finden, den Medienbruch zwischen Print-Leserschaft und Online-Community bewältigen und obendrauf noch eine gute Website auf die Beine stellen, könnte das Experiment gelingen.

Unterhaltsamer als “Einkauf Aktuell” ist das allemal. Wer dabei sein mag, kann das Heft schon jetzt kostenlos abonnieren.