
Tante Gerda mit ihrer betonierter Dauerwelle ist so ein Fall. Der Fotograf mag sich damals, in den achtziger Jahren, nichts dabei gedacht haben, als er auf den Auslöser drückte und Tantes felsenfeste Allwetter-Frisur verewigte. Doch das Foto überdauert als Beweisstück für die Geschmacksverirrung der Achtziger die Zeit - ganz im Gegensatz zur Frisur, die wahrscheinlich an einer Hairspray-Vergiftung zu Grunde gegangen ist. Aus dem Familienfotoalbum gekramt, eingescannt und an die richtigen Menschen geschickt, wird der Schnappschuss mit einem virtuellen Nachleben beschert. Auf Don’t Judge my Hair wird das Foto gebührend gewürdigt, und Tante Gerda, bzw. das Werk ihres Friseurs, kommt so zu späten Ehren.

Im Netz hat sich mittlerweile eine ganze Gemeinde von Fotosammlern gebildet, die sich auf Foto gewordene Verirrungen spezialisiert haben, und die Früchte ihrer Sammelwut in diversen Blogs veröffentlichen. Den kleinen Hunger nach Absurditäten zwischendurch stillen diese Fotoblogs ganz wunderbar. Auch wenn im Internet schon immer kurioses gelistet wurde, kann man den modernen Ursprung der Bewegung ganz grob beim Failblog verorten, das menschliche Missgeschicke in allen denkbaren Facetten versammelt.

Das Konzept der monothematischen Fotoblogger ist denkbar einfach: Einen Namen wählen, der das Grundthema kurz und knackig zusammenfasst. Und dann Flickr und andere Quellen nach Material durchkämmen. Wobei die verschlungenen Wege der Recherche das große Geheimnis bleiben: Wie zum Teufel findet man Tag für Tag neue Bilder für Blogs, wo nur die skurillsten oder kitschigsten Porträtaufnahmen und Familienfotos gepostet werden? Die bekannteren Blogs können natürlich auf die Mitarbeit der Leser setzen, die eifrig neue Vergehen einsenden. This is Photobomb zum Beispiel, das den Photobombern huldigt. Das sind Menschen, die sich gekonnt in Fotos hineindrängen, und sie mit herabgelassener Hose oder irrem Gesichtsausdruck zu ruinieren.

Das Themenspektrum der Fotoblogs reicht von ganz privaten Situationen (Sorry I Missed Your Party sammelt lustige Partyfotos) über halb-öffentliche (Look at This Fucking Hipster stellt angestrengt trendbewußte Menschen an den digitalen Pranger) bis hin zu professionellen Verfehlungen (Photoshop Disasters deckt fehlgeschlagene Fotomanipulationen auf). Tante Gerda kann also beruhigt sein: Sie ist nur eines von vielen Opfern. Zum Glück geht das einzelne Foto meist in der Bilderflut unter.
Weitere Nominierungen bitte in den Kommentaren.












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