Szenenfoto "Im Angesicht des Verbrechens", © ARD/Julia von Vietinghoff

Diese Serie ist die Ausnahme: Geplant und gedreht im Maßstab eines 500-minütigen Spielfilms, für das Fernsehen produziert, als kreatives Aushängeschild konzipiert, ohne viel Gedanken über das Budget zu verlieren (die beteiligte Produktionsfirma musste letztes Jahr Insolvenz anmelden), auf der Berlinale gefeiert. Das ist „Im Angesicht des Verbrechens” von Dominik Graf. Diesen Monat läuft die erste von zehn Folgen auf Arte.

Zwischen Prostitution, Zigarettenschmuggel und organisierter Kriminalität taucht „Im Angesicht des Verbrechens” in die Welt der russischen Mafia in Berlin ein. Niemand bleibt hier unbefleckt, weder die ermittelnden Polizisten vom LKA, die ihre eigenen Dämonen der Vergangenheit mit sich tragen, noch die jungen Mädchen aus der Ukraine, die in Berlin vom versprochenen Paradies enttäuscht werden.

Marek, eine der Hauptfiguren, gespielt von Max Riemelt, ist ein junger LKA-Beamter, dessen russische Familie seine Berufswahl nicht gutheißen kann. „Du bist ein Polizist, wie kannst du da eine Ehre haben?” wird er gefragt. Die gesellschaftlichen Konfliktlinien durchziehen auch seine Geschichte, sein Bruder wurde von Unbekannten erschossen, seine Schwester liebt einen Gangster. In diesem Umfeld muss Marek ermitteln und überleben.

Szenenfoto "Im Angesicht des Verbrechens", © ARD/Julia von Vietinghoff

Die Serie zieht ihre Kreise aber noch weiter, Details aus der Zigarettenproduktion werden erforscht, die Häuserblocks der vietnamesischen Einwanderer, die ukrainische Heimat der Prostituierten. Dabei bleibt wenig ausgespart, Sex und Gewalt, Liebe und Verzweiflung, treiben den Zuschauer von Folge zu Folge. In den letzten Episoden werden die vielen Erzählstränge dann nervenaufreibend  zusammen geführt. Dabei kann Graf das Serienformat voll ausnutzen und sich Zeit lassen für Nebenplots, Spielorte, Hintergrund, kurz: Tiefe.

Auf der Berlinale 2010 wurde die Serie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen am Stück im Kino uraufgeführt. Dominik Graf, der auch schon das Gangster-Epos „Hotte im Paradies” verwirklicht hat, scheint mit „Im Angesicht des Verbrechens” gegen alle Widerstände seinen künstlerischen Anspruch verwirklicht haben zu können. Ursprünglich war die Serie für die ARD geplant, nun läuft sie ab dem 27. April im Abendprogramm von Arte.

Ausstrahlungstermine von „Im Angesicht des Verbrechens” auf Arte:
Teil 1 und 2: Dienstag 27.04.2010, 22:05Uhr
Teil 3 und 4: Samstag 01.05.2010, 21:50Uhr
Teil 5 und 6: Dienstag 04.05.2010, 22:05Uhr
Teil 7 und 8: Samstag 08.05.2010, 22:50Uhr
Teil 9 und 10: Dienstag 11.05.2010, 22:05Uhr

Den Trailer zu „Im Angesicht des Verbrechens” kann man sich hier ansehen.