1976_bierpinsel1

Gerrit Engel ist Photograph und lebt in Berlin. Bisher hat er vier Bildbände veröffentlicht, letzterer mit dem Titel “Berlin”(Schirmer/Mosel). In seiner jüngsten Ausstellung “New York - Berlin” werden wir noch bis zum 1.November in der Pinakothek der Moderne seine eindrucksvollen Architekturphotographien und Porträtstudien bewundern können. Mit seinen markanten Portraits bekannter Gebäude, hat er unsere Aufmerksamkeit geweckt. Also haben wir ihn gefragt, was hinter seiner Faszination für Bauwerke steckt.

Du bist in Essen geboren, aber hast in New York studiert. Was hat dich an den USA fasziniert? New York hat ja unbestritten seinen eigenen Status als Vorzeigemetropole der Moderne, Finanzplatz des ungezügelten Kapitalismus und Labor einer liberalen nordamerikanischen Hochkultur und sollte nie mit den USA gleichgesetzt werden. Eine Tatsache, auf die Linke und Rechte in den USA gleichermaßen verweisen und dieser Stadt eine Energie und Anziehungskraft verleihen, der ich auch gefolgt bin.

Wodurch entstand dein Interesse an Photographie? Meine Mutter ist Fotografin, und ich bin mit dem Medium großgeworden.

nyc_8

Deine Bilder zeigen die Fassaden bekannter Häuser - warum hast du bestimmte Gebäude gewählt? Ich betrachte diese Gebäude wie Individuen die eine typologische -  morphologische Qualität haben und Zeugnis ablegen über Epochen, Gesellschaften, und schließlich über die Menschen die sie schufen, sie benutzten und die in ihnen lebten.

1830_pfaueninsel

Was inspiriert dich an Gebäuden? Sie müssen mich nicht unbedingt inspirieren. Es ist ein Interesse an einer Form, an einem Ausdruck.

Die ‘Buffalo Grain Elevators’ Serie ist toll! Haben alle Aufnahmen in Buffalo, New York, stattgefunden? Die Buffalo Grain Elevators gehören zu den ersten großen Betonstrukturen die Anfang des letzten Jahrhunderts die Europäische Architektur und Kunstavantgarde faszinierten und inspirierten. Sie sind allem kulturellen Überbau und jeder Ornamentik entblößte rein funktionale Gebäude, Vorboten  des anbrechenden Jahrhunderts der Moderne. Ich hatte in diversen Publikationen darüber gelesen, aber nie ein Bild vor Augen. So beschloß ich mir selber eines zu machen.

buffalo_3_c

Warum wurden dies Bilder der Serie nicht bei deiner jüngsten Austellung in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt? „Buffalo Grain Elevators” ist mein erstes Projekt, und wurde schon des öfteren gezeigt. Die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne entschloß sich meine neuesten Arbeiten, die Stadttypologien über Berlin und New York  zusammen auszustellen.

Welche Photographen inspirieren dich? Eugéne Atget und  August Sander haben mich mit ihren nüchternen und doch berührenden Arbeiten beeindruckt.

buffalo_1_c

Sind deine Photographien manchmal gestellt? Es gibt zum Beispiel ein Bild von einem Gebäude in Kreuzberg, und draußen steht ein türkiser Fiat 500 - es wirkt etwas surreal. Die Inszenierung einer Fotografie geht nicht über das Warten auf das richtige Wetter und den Zeitpunkt des Auslösens hinaus.

Ist es Absicht, dass  die Gebäude ab und zu „out of context” scheinen? Ich versuche die Gebäude aus ihrem gewohnten städtischen Kontext, der sie ja in gewisser Hinsicht auch anonymisiert, herauszulösen, um so eine neue Ansicht und Sehweise zu etablieren die einen neuen Blick auf scheinbar Bekanntes zulässt.

Du hast in mehreren Städten gelebt, welche ist die, die dich festhält? Berlin

Woran arbeitest du im Moment? Ich arbeite an zwei neuen Büchern: das eine über den Abriß des Palastes der Republik und das andere über die Gebäude Karl Friedrich Schinkels in Berlin und Potsdam.

engel_berlin_20_full

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München

Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr