In Zeiten von Überproduktion, Massenware und maschineller Fertigung haben wahre Dandies es zum Teil wirklich schwer, wenn es an das alltägliche Ritual des Ankleidens geht.
Bei Dandy of the Grotesque hingegen wird nach dem Motto “made to your measure” gearbeitet. Chefdesigner Itamar Zechoval sagt dennoch über sein junges Label, “It’s not really a fashion brand”. Gemeint ist wohl die Tatsache, dass viele seiner Teile sich schon ein gutes Stück weit in Richtung Kostümdesign bewegen. Während wir gemeinsam durch seinen Laden auf der Gormannstraße in Mitte streifen, erklärt er weiter, dass auch die Stückzahlen der einzelnen Teile von vornherein begrenzt sind - nachproduziert wird nicht. Alle Großstadtdandies können somit beruhigt aufatmen und seinen Store/Showroom/Salon stets mit der Gewissheit verlassen, etwas Einzigartiges zu tragen.
Doch es geht bei Weitem nicht bloß um Alleinstellungsmerkmale oder gar darum, um jeden Preis aufzufallen. Nach Zechovals eigener Aussage sollen die Kleidungsstücke “ihren Träger interpretieren - they’re interpreting a character“. Es sind diese Sätze, an denen man merkt, wie sehr er in seiner Arbeit aufgeht. Kein Wunder also dass auch seine Begeisterung schon bald auf uns abfärbt. Diese bezieht sich durchaus nicht nur auf die Mode selbst, nein, der komplette Rahmen stimmt ganz einfach.
Mit dem Dandy of the Grotesque ist Zechoval zufolge eine “imaginäre Welt” entstanden. Diese Textil gewordene Parallelwelt vereint all jenes, was er gemeinsam mit seinem dreiköpfigen Team ersinnt und herstellt. Als Zechoval mit den Worten “Maybe it’s not about fashion” das Thema Eigenwahrnehmung besiegelt, ist der Raum von einem Gefühl stillschweigenden Einvernehmens erfüllt.
Während der ersten fünf Monate im Berliner Store ist eine in sich viergeteilte Herrenkollektion entstanden. Mit einem Schmunzeln im Gesicht wird uns berichtet, dass der Laden während nahezu zwei Monate lang fast leer gestanden habe. Doch gerade rechtzeitig zur Berliner Fashion Week war die Kollektion in aller Vollständigkeit im Laden zugegen. Auch Accessoires sind mit dabei. Die “Daily Affairs” sind elegant und formal. Alle Teile aus “Walk in the Park” hingegen kommen weitaus entspannter daher.

Kleidungsstücke der “Dandy”-Reihe sind detailverliebter und lassen zugeschnittene Silhouetten erkennen. Auch mit dabei sind besondere Applikationen wie der Kummerbund. Bei “Grotesque” werden Elemente der anderen Reihen aufgegriffen und werden rauer, grober, extremer. Eine düstere, militantere Variation des Dandies. Ja auch die Räumlichkeiten strömen ein Tim Burtoneskes Feeling aus - nur ist eben alles viel wirklicher. So erscheint es uns kein bisschen selbstverherrlichend, als der Modedesigner gesteht, dass der Laden für ihn inzwischen zu einer Art Lieblingsort in Berlin avanciiert sei.
Der Sommer wird “dekonstruierter”. Viel mehr wird uns noch nicht verraten. Dennoch freuen wir uns schon auf den nächsten Besuch!
DANDY DIARY
Gormannstrasse 17 b, 10119 Berlin
Text + Fotos | Eugen Braeunig
















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