
Unter uns: Viva und MTV braucht kein Mensch mehr. Zumindest nicht um Musikvideos zu schauen, die Fans von Reality-TV-Sendungen mit billigem Sex-Appeal und hohem Trash-Faktor dürfen gerne widersprechen.
Das Musikfernsehen von heute läuft nicht mehr in der Glotze sondern auf dem Rechner. Style League stellt in einer neuen Serie die besten Angebote vor, den Auftakt macht Putpat.tv. Der Dienst ist bisher leider noch in der geschlossenen Beta-Phase, man muss sich also auf der Website bewerben, oder auf eine Einladung hoffen. Für die Test-Phase überzeugt Putpat allerdings schon auf ganzer Linie.

Wenn man sich auf der Putpat-Seite einloggt, stehen einem erstmal verschiedene Kanäle zur Auswahl: Rock, Retro, Hip-Hop, Heimat, etc. Klickt man einen an, verwandelt sich das Browser-Fenster zum Video-Player. Jedes Video kann man als Lieblingslied deklarieren oder vom Bildschirm verbannen. Je mehr Videos man schaut, umso besser schafft es Putpat den eigenen Geschmack zu treffen. Der Player lädt schnell, die Bedienung ist intuitiv und wird über dem Bild eingeblendet. Ruht der Mauszeiger, verschwinden sofort alle Bedienelemente.

So weit, so gut. Aber es geht noch besser. Hinter dem „Veequalizer” versteckt sich ein Regler, mit dem sein individuelles Programm mixen kann. Einfach fünf Lieblingsartists und Musikrichtungen im Mischer angeben, und Putpat liefert den eigenen Musikkanal. Fantastisch!

Zu einigen Künstler stehen bereits Hintergrund-Infos zur Verfügung, etwa Biografie, Tourdaten und Fotos. Bei einigen gibt es auch einen Direktanschluss zu Amazon Musik, wo man den gehörten Song gleich kaufen kann.

Das Angebot glänzt mit Liebe zum Detail. Tippt man einen Künstler ein, sucht der Player live nach Treffern in der Datenbank. Die Bedienelemente erscheinen nicht einfach, sondern schieben sich scheinbar mühelos über das Bild. Den Veequalizer kann man nach Jahrzehnten feinjustieren. Man merkt, hier sind Liebhaber am Werk. Tatsächlich waren die beiden Gründer bis 2004 bei Viva beschäftigt.

In Zukunft sollen dann persönliche Kanäle getauscht werden können, man macht ja nichts lieber als Freunde und Bekannte mit dem eigenen Musikgeschmack zu nerven. Ausserdem sollen ähnlich der Itunes-Playlists DJs und Prominente Kanäle mixen, die man sich dann anschauen kann.

Was fehlt? 20.000 Videos sind verfügbar, allerdings vor allem von Major-Labels. Dafür reicht der Katalog einigermaßen weit nach hinten: Mein Wu-Tang-Kanal erfreut mich mit bestem Neunziger Jahre Hip-Hop. Videos kann man nicht direkt auswählen, sonst würden die Lizenzgebühren ins Unermessliche steigen. Der Mix für den persönlichen Kanal lässt sich nicht speichern.
Aber noch ist viel Zeit, an Details zu arbeiten, denn das Komplett-Angebot überzeugt und beweist: es gibt eine Zukunft für Musikfernsehen im Netz. Man muss es nur richtig machen. In den nächsten Wochen soll sich dann jeder für Putpat registrieren können.
Nächste Woche folgt der zweite Teil von “Musikfernsehen wird erwachsen”. Bleiben Sie dran!










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