
Luxus und Glamour haben in Berlin bislang kaum eine Rolle gespielt. Doch die Hauptstadt wandelt sich, und das bringt neue Attribute mit sich. „Arm aber sexy”, das war einmal. Im Moment mutet die Stadt wie ein junger Kreativdirektor an, der sich mit seinem satten Einstiegsgehalt lang gehegte Luxus-Träume erfüllt.
Bestes Beispiel für den Wandel von der hippen weil mittellosen Abbruchstadt zum Nexus der Kreativwirtschaft ist das neu eröffnete Soho House in der Torstraße 1 in Mitte. Das Haus bringt ein bewährtes Konzept aus London nach Berlin: Schickes Hotel kombiniert mit exklusiver Mitgliedschaft und entsprechendem Publikum.
Auf acht Stockwerke sind 40 Hotelzimmer verteilt. Alle sind nostalgisch eingerichtet, ohne auf den Charme moderner Unterhaltungselektronik zu verzichten. So steht neben manchem Bett ein riesiges schwarzes Telefon mit Wählscheibe und Spiralkabel, das sich erstaunlich gut mit dem Flachbildfernseher an der Wand verträgt.

Insgesamt verströmt das Haus einen Charme zwischen teuren Flohmarkt-Antiquitäten und auf alt-getrimmten Retro-Dekor. Erkennbar ist der Versuch, Stil-Elemente der Goldenen Zwanziger Jahre Berlins aufzugreifen. Das kollidiert allerdings mit der plauschigen Lässigkeit britischer Club-Sessel, den asiatisch verbrämten Spa-Anlagen und der klar-futuristischen Linienführung der Pool-Anlage auf dem Dach.

Vom Eklektizismus der Innenraumgestaltung darf man sich aber nicht stören lassen, denn der Kern des Konzepts sind nicht die Hotel-Räume, sondern der Club-Bereich, in dem sich „Kreative aus der Medien-, Design-, Film-, Musik- und Modebranche” treffen, wie es der Pressetext beschreibt. Damien Hirst war beispielsweise schon da, und hat einen Hai in die Lobby gesprüht. Mitgleid kann nicht jeder werden, und den monatlichen Beitrag muss man auch aufbringen.
Die Atmosphäre ist tatsächlich nobel und anregend zugleich. Der Club-Bereich in der siebten Etage bietet sich hervorragend an, um großstädtisch Cocktails trinkend vor dem Kamin über dieses neue Berlin zu sinnieren. Die Laune steht nicht nach Denken? Auch ein Fitness-Bereich fehlt ebenso wenig wie ein kleines aber flauschiges Kino und ein Wellness-Bereich.

In der Geschichte des Gebäudes spiegelt sich der verworrene Pfad der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Hinter der Fassade im Bauhaus-Stil war erst ein jüdisches Kaufhaus beheimatet, bevor es in den Besitz der NSDAP gelangte, die von hier aus die Hitlerjugend betreute. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs zog die SED-Verwaltungszentrale ein, DDR-Staatsratspräsident Wilhelm Pieck unterhielt hier Büros (die bald wieder von den Gästen im Soho House als Konferenzzimmer genutzt werden können).
Andere DDR-Institutionen residierten im Haus, bis 1995 dann die PDS. Dann stand das Gebäude leer, bis die Investorengruppe hinter den Soho Häusern aufmerksam wurde. Sie kaufte das Haus für neun Millionen Euro und brachte weitere 30 Millionen Euro für die Sanierung auf.
Ob sich die Gäste den historischen Vorgängen rund um ihre Hotelzimmer bewusst sind, während sie auf dem Dach vor dem Pool liegen? Schön wär’s, Geschichtsvergessenheit würde weder dem Soho House noch dem neuen Berlin gut zu Gesicht stehen.












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