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Würde Mark Zuckerberg Facebook heute nochmal gründen, wären alle Informationen der Nutzer von vorneherein als öffentlich eingestellt, erklärte der Facebook CEO vergangenes Wochenende. Wer privat bleiben will, muss dann zuerst die Werkseinstellungen ändern. Seine Vorstellung ist bereits umgesetzt: Seit der Änderung der Datenschutzregeln letzten Monat gilt diese Regel für alle neuen Facebook-Mitglieder.

Vertraulichkeit sei nicht länger eine soziale Norm, kommentierte der junge Internetunternehmer auf einer Konferenz in San Francisco dazu. Bei den Crunchie Awards sagte Zuckerberg, dass die Menschen sich nicht nur daran gewöhnt hätten, Informationen verschiedenster Art zu teilen, sondern auch daran, immer mehr andere Menschen darin einzubeziehen und immer offener mit diesen Informationen umzugehen.

Der Zeitpunkt für diese Kommentare ist nicht unzufällig. Im Dezember vollzog das führende soziale Netzwerk eine Kehrtwende, was die Handhabung der Nutzerdaten anbelangt. Stand bisher immer der Schutz der Privatsphäre der Nutzer im Vordergrund, überwiegt jetzt das Bestreben, soviel Information wie möglich öffentlich zugänglich zu machen. Profilbild, Name, Freundesliste und Fan-Pages sind seitdem öffentlich einsehbar – ob man will oder nicht.

Die fraglichen Kommentare gibt Zuckerberg im Interview mit Michael Arrington von Techcrunch zwischen Minute 3:00 und 4:00 ab.

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Zuckerbergs Aussagen zur neuen Kultur der Offenheit treffen auf Opposition. Auf ReadWriteWeb wird die Frage gestellt, ob der neue Umgang mit Datenschutz seinen Ursprung nicht eher in den Zukunftsvorstellungen von Facebook, statt in tatsächlichen gesellschaftlichen Tendenzen hat. Denn ein großes Problem für Facebook ist, dass die meisten Inhalte hinter privaten Mauern versteckt bleiben. Während der Großteil der Twitter-Nutzer ihre 140-Zeichen Kommentare öffentlich in die Welt hinausblasen, gleicht Facebook einer mißtrauischen Kleingartenanlage, in der jeder uneinsehbar hinter seiner meterhohen Hecke sitzt.

Um das zu ändern, könnte Facebook versuchen, die 350 Millionen registrierten Nutzer auf eine neue Ordnung in der Schrebergarten-Kolonie einzustimmen: Reißt die Hecken nieder! Präsentiert euch euren Nachbarn, und allen anderen, die ein Interesse an eurer Gartenzwergsammlung haben könnten. Dann aber wäre Zuckerberg selbst der Agent des Wandels, den er mit seinen Statements herbeiredet. Ob dieser kulturelle und soziale Wandel tatsächlich durch breiteren gesellschaftlichen Konsens getragen wird, ist nicht klar.

Es gibt offensichtliche Bedenken, die ein so kompletter Richtungswechsel mit sich bringt: Was ist mit den Nutzern, die ihre Profile in der Annahme gepflegt haben, keine Information werde jemals veröffentlicht? Wie will Facebook 350 Millionen Nutzern Datenschutz-Regeln näher bringen, die kaum jemand versteht? Wie werden diejenigen geschützt, die den Eingriff in ihre Privatsphäre nicht überblicken können?

Wie bei Facebook intern mit Datenschutz umgegangen wird, offenbart ein anonymes Interview mit einem Facebook-Angestellten. Der verrät zum Beispiel, das es eine Weile ein Master-Passwort gab, mit dem sich jeder Facebook-Mitarbeiter ohne weiteres in jedes Facebook-Profil einloggen konnte. Ausserdem behält Facebook auch alle Fotos, Texte und Videos auf seinen Servern, unabhängig davon, ob man sie löscht oder nicht. Auch werden alle Besuche anderer Profile mitgeloggt, die man unternimmt.

Die Einzelteile der Facebook-Unternehmenskultur in Sachen Privatsphäre sind anrüchig, aber nicht abstossend. Nimmt man aber alles zusammen, wird das ungute Gefühl schnell zu akuten Bauchschmerzen. Ironischerweise ist eines der prominentesten Opfer der neuen Offenheit Mark Zuckerberg selbst. Als die neuen gelockerten Privatsphäre-Regeln im Dezember in Kraft traten, stieg die Zahl der auf Facebook öffentlich einsehbaren Zuckerberg-Fotos sprunghaft von eins auf 290. Von Zuckerberg mit Teddybär bis Zuckerberg ohne T-Shirt sind einige sehr private Momente des Facebook-CEOs zu sehen. Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen.