Die Twitterati sind in heller Aufregung, die Marketing-Welt hofft, den heiligen Gral der Werbung zu finden, der Festsaal Kreuzberg ist in zwei Tagen ausgebucht, kurz: Es ist Social Media Week in Berlin (oder auf twitterisch: #smwberlin). Jetzt heißt es: Vorsicht, Deckung! Buzzword-Attacke!
Seit Montag läuft die Veranstaltungsreihe, bei der Hauptkonferenz musste man reaktionsschnell agieren um nicht erschlagen zu werden vom Neusprech der digital Verklärten. Wobei man die Streckenweise gähnende Inhaltsleere auf der Bühne niemanden vorwerfen darf. Denn es geht hier erklärtermaßen nicht um Konflikt, trotz der im Konferenztitel („Streit“) angekündigten Kontroverse.
Social Media Week ist Konsensgekuschel und Status quo Definition. In Wohnzimmeratmosphäre wird über die Szene schwadroniert. Es herrscht Vornameninflation: „Du, komm doch mal auf die Bühne.“ Man könnte auch sagen: Es ist halt total nett hier. Anna Lena Schiller steht neben der Bühne und visualisiert Gesagtes und Gedachtes als Live-Flowchart und malt Nullen und Einsen orange aus. Auf der Twitterwand wird das alles ironisch abgeklärt kommentiert.
Auf der Bühne selbst passiert nicht viel. Die Podiumsteilnehmer kauen die letzten großen Kampagnen und Geschichten durch, Vodafone wird schlecht gemacht, Twitter für seine Rolle während der iranischen Präsidentschaftswahl gelobt. Niko Lumma beantwortet alle Fragen zu seiner Diskussion schon einen Tag vorher auf seinem Blog und niemand regt sich auf.
Ein bißchen was ist hängen geblieben: Social Media Marketing bleibt weiter ein schwammig diffuser Begriff, da hilft auch die Lumma-Definition nicht weiter: “Bei Social Media stehen die User im Mittelpunkt, sie stellen sich eigene Inhalte zusammen und kommentieren diese, etc., pp. Twitter, Facebook, StudiVZ halt…“
Passender fasst das Problem Sascha Lobo zusammen: „Social Media wird sich soweit aufsplitten, dass es zu einem nichts sagenden Begriff wie Internet wird. Eine Plattform, auf der man etwas veröffentlichen kann.“ Alles und nichts halt. Immerhin gestaltet Lobo, das Maskottchen der deutschen Social-Media-Szene, seine Diskussion mit Hajo Schuhmacher durch eine hochgetaktete Aperçu-Aneinanderreihung etwas abwechslungsreicher.
Zu später Stunde werden dann noch erstmalig die OSKR-Awards verliehen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, Politiker oder Personen, die in besonders heftig geführte Kontroversen im vergangenen Social-Media-Jahr verwickelt waren. Souveräner Sieger: Die Outdoor-Bekleidungsmarke Jack Wolfksin und der Online-Bastel-Marktplatz DaWanda, die Ende 2009 in eine langwierige Auseinandersetzung über eine Pfote geraten waren.
Noch ist die Themenwoche aber nicht vorüber. Wer sich selbst ins digitale Getümmel stürzen möchte, kann eine der zahlreichen Veranstaltungen diese Woche besuchen, und mal die eigenen Twitter-Follower kennen lernen. Wer weiss, vielleicht wird das ja auch so nett und entspannt wie am Dienstag bei der Hauptkonferenz im Festsaal Kreuzberg.













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