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Wenn jeden Sommer Horden von Grillbegeisterten ausrücken, um in der Abendsonne speckige Würstchen und triefende Steaks in Holzkohleglut zu rösten, dabei lauwarmes Bier die Kehle hinunterstürzen und die neueste Fleischbefeuchtungsmethode debattieren, dann ist das mehr als ein Freizeitvergnügen - hier werden archaische Triebe aktiviert, die (vornehmlich) Männer dazu treiben sich um das Lagerfeuer zu versammeln um im Kollektiv das erbeutete Jagdgut zu verspeisen. „Grillende und grölende Männerhorden gehören zusammen, ihr Freizeitvergnügen reflektiert urtümliches Beute- und  Sozialverhalten”, fasst die Frankfurter Rundschau den Stand der soziologischen Diskussion zusammen.

Aber: das Zeitalter archaisch flackernder, ungezähmter Grillfeuer geht seinem Ende entgegen - wie jedes Überbleibsel ritenbehafteter Handlungsweisen wird es von der modernen Lifestyleindustrie vereinnahmt, verarbeitet um im domestizierten Gewand neu verpackt und vermarktet zu werden. Reichten früher trockenes Holz, Kohle, Feuer, Grillfleisch und hungrige Münder, macht man es heute nicht unter dem gasgetrieben, chromverzierten BBQ-Ungetüm, das den wilden Akt des Grillens in ein Veranda-gerechtes Nachmittagsvergnügen ummünzt.

Broil King Sovereign XL 90, © www.muenkel.eu
Broil King Sovereign XL 90, © www.muenkel.eu

Der Ex-Boxer George Foreman, der heutigen Generationen vor allem aus seinen Auftritten in diversen Shopping-Sendern ein Begriff ist, hat es vorgemacht: Seine „lean mean fat grilling machine” ist seit Jahren ein Topseller in den USA. Und das obwohl Grillen ursprünglich reine Protein- und Fettaufnahme war - gesund essen und Grillabend schienen lange unvereinbare Gegensätze. Heute kommt kein Upmarket-Modell mehr ohne Aromaschienen aus, die überschüssiges Fett abtropfen lassen.

In diese Richtung geht auch das angebotene Zubehör, an dem die Hersteller prächtig verdienen. Fleisch-Thermometer geben Auskunft über die genaue Gartemperatur im innersten der Nackensteaks, ganze Buch-Editionen behandeln die besten Anbratzeiten und Fleischzuschnittmethoden - so wird informelles Wissen, ehemals geteilt unter Grill-Kriegern, zum Fundament der Unterhaltung zwischen bestens ausgebildeten Grill-Gourmets, die währenddessen gesunde Würstchen mit Bärlauch und vegetarierfreundliche Auberginen-Scheiben mit Edelstahl-Zangen wenden. Nostalgiker würden sagen: Der postmoderne Mensch hat am Grillspieß erneut Freiheit gegen Komfort getauscht und ist gefangen in seinem Universum aus Statussymbolen und Lifestyle-Entscheidungen.

Den Höhepunkt dieser Entwicklung bilden Tischgrills wie der von Eva Solo, die durchdesignt das lodernde Grillfeuer aus der Natur heim an den Esstisch holen. Wenn schon das Feuer - und damit der Grillmeister selbst - gezähmt wird, dann wenigstens hübsch verpackt. Darauf eine Bionade.

Tischgrill von Eva Solo, © Eva Solo
Tischgrill von Eva Solo, © Eva Solo