
Irak, im Jahr 2004: Zwei Mitarbeiter einer Hilfsorganisation und zwei deutsche Journalisten auf dem Weg in das besetzte Falludscha. Bis 5 Uhr morgens ist ein Waffenstillstand zwischen den Mudschahedin und der U.S. Army vereinbart, genug Zeit um frische Medikamente in die Kampfzone zu bringen, und Bilder vom Kampfgebiet herauszuholen. Doch leider ist im Irak nichts wie es scheint.
“Ceasefire – Waffenstillstand” ist ein dicht gedrängter Thriller, der nervenaufreibend das Himmelfahrtskommando hinter Frontlinien verfolgt. Der erfahrene aber desillusionierte französische Arzt Alain (Matthias Habich) und seine niederländische Assistentin Kim (Thekla Reuten) wollen zusammen dringend benötigte Blutreserven in die Klinik der belagerten Stadt bringen. Mit an Bord sind auch der junge Reporter Oliver (Max von Pufendorf), der sich erste Sporen verdienen möchte, und sein Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke), der lieber an der Hotel Bar geblieben wäre. Die G.I.s lassen das Team durch ihre Sperren, auf eigenes Risiko. Wie groß die Gefahr ist, stellt sich bei der Fahrt durch die feindlichen Linien schnell heraus.
Die Dramaturgie ist temporeich und lässt kaum Zeit für Atempausen. Trotzdem gelingt es Regisseur Lancelot von Naso, die europäischen Charaktere feiner als das Klischee zu zeichnen; vor allem der Morphiumsüchtige Arzt Alain, der schon in allen Krisenregionen der Welt gearbeitet hat, ist überzeugend getroffen. Beim Zürich Film Festival wurden die Filmemacher für den spannenden Film mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Die Idee zum Film basiert auf der realen Geschichte einer jungen NGO-Mitarbeiterin, die einen Hilfstransport für Falludscha organisierte. Für die Recherche hat der Regisseur mit Mitarbeitern in den Hilfsorganisationen und auch zwei der fünf Journalisten, die während der Belagerung in Falludscha waren, gesprochen. Aus ihren Erfahrungen setzt sich die Geschichte der vier Schicksalsgenossen zusammen.
Vier? Eigentlich sind es fünf Personen, die sich im dreckigen Minivan in die Stadt im Belagerungszustand einschleichen. Da ist noch der Fahrer Husam, der aber wie die meisten arabischen Figuren an den Rand der Geschichte gedrängt wird. “Waffenstillstand” ist ein Film über Europäer im Irak, nicht über die arabische Bevölkerung, aber auch nicht über die amerikanischen Soldaten. Insofern bietet “Waffenstillstand” eine neue Perspektive auf die Wochen nach der Invasion im Irak, das aber nur in Abgrenzung zur Version der US-Armee.
Trotz dieser Einschränkung ist der Film sehenswert, da bestens gefilmt und stringent erzählt. Die Landschaftszenen sind beeindruckend, der Häuserkampf beklemmend festgehalten. Gedreht wurde in Marokko, denn im Irak ist es auch sechs Jahre nach der Invasion zu gefährlich.
“Ceasefire – Waffenstillstand” ist auf dem Zürich Film Festival im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb gelaufen, und hat den Publikumspreis gewonnen.










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